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Handwerkskünste und experimentelle Archäologie Kürbistrocknen, Fischen, Flötenbau... Hier könnt ihr über alle Handwerkskünste sprechen.

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  #1  
Alt 25.09.2012, 23:01
Lürbker Lürbker ist offline
Späher
 
Registriert seit: 29.12.2011
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Lürbker Stammes Mitglied
Standard Survivalmesser für den Eigenbau

Hallo Leute! Wie längst versprochen, siehe

http://survival-forum.com/showthread.php?t=2277

möchte ich eine kleinen Report über die Herstellung eines einfachen Messers machen. Ob das ganze ein "Survivalmesser" ist muss jeder mit sich selbst ausmachen. Aber nützlich ist es allemal.
Dabei beschränke ich mich auf ein kleines Gebrauchsmesser das auch mit einfachen Werkzeugen und Mitteln hergestellt werden kann! Das ganze richtet sich an Anfänger. Daher verwende ich Federstahl. Ja der ist nicht so schnitthaltig wie Kugellager, Feilen, Werkzeugstahl und und und. Aber er lässt sich von einem Anfänger gut bearbeiten und verzeiht viele Anfängerfehler. Des weiteren ist er auf jedem Schrottplatz zu finden.

Die Bilder die ich einfüge werden hoffentlich zu sehen sein. Ansonsten sind sie auf jedenfall in meiner Galerie zu finden! Auch dort steht ein wenig was bei den einzelnen Bildern.

Der Bericht kommt nach und nach. Ich werde aber auf jedenfall zunächst ein paar Arbeitsschritt machen bevor ich detailiert berichte.
Fragen könnt ihr jederzeit stellen, ich helfe gerne weiter.

Für Leute die durch den Bericht Lust bekommen sich auch ein Messer zu bauen sollen sich bitte nicht vom fehlenden Werkzeug abhalten. Man wird mit folgenden Mitteln zu einem guten Ergebnis kommen:

1. Solider Grill der als Esse dient. Erdesse ist aber auch möglich. Dazu noch ein Gebläse. Föhn, Lüfter, Ventilator...
2. Ein Stück Bahnschwelle auf einem Hauklotz verschraubt oder auch ein schwerer Stein.
3. Ein Hammer zum Anfang 800 bis 1000Gramm.
4. Eine Zange ->Rohrzange, eventuell große Kombizange
5. Eine Eisensäge
6. ein Paar Feilen -> Rund,Flach,Schlüsselfeile
7. Schleifpapier
8. Bohrmaschine oder Akkuschrauber mit Bohrer

Ich habe heute bereits 2 Stunden an dem Messer gearbeitet und der Klingenrohling ist schon soweit fertig. Über nacht wird er jetzt geglüht damit ich morgen weiterarbeiten kann.
__________________
Hallo!

Geändert von Lürbker (30.10.2012 um 13:40 Uhr)
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  #2  
Alt 25.09.2012, 23:21
Benutzerbild von BugOutSurvival
BugOutSurvival BugOutSurvival ist offline
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BugOutSurvival Stammes Mitglied
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Geile Sache!

Gibt es irgendeine möglichkeit das auch... ich sag mal ... in einem Urban Survival Szenario herzustellen?

Worauf könnte man verzichten?

Was bräuchte man auf jedenfall (außer die Materialien und Werkzeug natürlich)?
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  #3  
Alt 26.09.2012, 00:29
Lürbker Lürbker ist offline
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Ja das ist definitiv möglich. Aber zunächst mal beschränke ich mich auf die Herstellung unter Normalbedingungen. Wenn es ganz primitiv zu gehen würde.. dann bräuchte man mindestens einen Hammer und etwas das man als Amboss benutzen kann. Ich würde mir durchaus sowas zutrauen.
Dazu würde ich eine Erdesse bauen. Einen Blasebalg würde ich mir mit Mülltüten improvisieren. An geeigneten Stahl kommt man in unserer Umgebung immer. Und selbst Baustahl der sich kaum härten lässt ist besser als nichts. schleifen und schärfen kann man das Messer mit Steinen. Es ist eine enorme Arbeit aber sicherlich an einem Tag machbar so etwas zu bauen.
Aber wie gesagt. Erstmal unter normalen Bedingungen. Damit hat ein Anfänger schon genug zu tun.
__________________
Hallo!
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  #4  
Alt 23.10.2012, 12:00
Lürbker Lürbker ist offline
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Registriert seit: 29.12.2011
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Hier der zusammenhängende Teil.

Wer die Bilder nicht sieht schreibt mich bitte an!!!!!


Unser Ausgangsmaterial. Federstahl. Überall verfügbar und auch für den Anfänger leicht zu handhaben. In diesem Fall mit einem Durchmesser von 9mm. Die Üblichen Autofedern haben 11,5mm was ein deutlicher Unterschied ist. Aber wir fangen ja mit einem kleinen Gebrauchsmesser an.
Wenn man die dickere Variante verwendet kann man größere Klingen schmieden.
Blattfedern wie sie in LKWs verbaut sind kann man auch benutzen.
Nur bitte keinen Baustahl benutzen. Dieser ist meistens nicht härtbar und die ganze Arbeit wäre ja dann hinfällig.


Der Amboss und der Schmiedehammer. Zum Anfang reicht ein Stück Bahnschwelle und ein Fäustel aus.


Die grobe Vorlage. Etwa 8cm lang und 2cm hoch soll die Klinge werden. Der Erl wird aber länger!
Ihr solltet euch immer eine grobe Vorlage Zeichnen. Dabei ist zu beachten das man aus einer dünnen Feder kein Haumesser von 40mm Höhe und 5mm Dicke schmieden kann.


Die Feder wird geplättet und schon leicht ausgetrieben.


Nun wir das Ganze vom Rest des Stahls abgeschnitten.


Abgeschnitten. Mit dem Rest wird der Erl ausgeschmiedet.
__________________
Hallo!
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  #5  
Alt 23.10.2012, 12:00
Lürbker Lürbker ist offline
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Lürbker Stammes Mitglied
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Die Schmiedearbeiten sind nun fertig und es wird noch grob mit der Flex gearbeitet


Fertiger Rohling. Dieser wurde dann über Nacht im Kamin geglüht um ihn "butterweich" zu machen. Federstähle sind oft Lufthärter. Daher kann der Stahl nachdem man ihn aus der Esse nimmt und er starken Luftzug bekommt oder man ihn in den Schraubstock einspannt schon härten. Insbesondere bei den relativ dünnen Querschnitten bei Messern ist dies der Fall.
Das macht die Bearbeitung mit der Feile sehr anstrgend bzw schädigt auch die Feilen. Daher in die Glut im Kamin oder Feuer legen und dann einfach laaangsam abkühlen lassen. Den nächsten Tag ist der Rohling gut zu bearbeiten.


Grober Anschliff mit der Feile.


Mit Schleifpapier bis zu einer Körnung von 240. Viele gehen bei der Oberfläche bis 600 vor dem Härten. Da es aber ein einfaches Gebrauchsmesser werden soll reichen die 240 aber erst einmal.
Wer ein super spiegelndes Ergebnis haben möchte der muss schleifen schleifen schleifen. Danach noch Polieren. Da der Stahl ja bei Benutzung anläuft mache ich es nur grob und poliere anschließend nur kurz.


Das Härten. Federstahl Wird bei etwa 830°C gehärtet. Das ist ein helles Rot! Beim Härten auf eine dunkle Umgenung achten da man sonst die Temperaturen nicht richtig erkennen kann. Wer dafür nicht den richtigen Blick hat, der macht die Magnetprobe und erwärmt danach noch ein wenig weiter. Das Öl wurde vorgewärmt auf etwa 50°C. Bitte nicht in Wasser härten!
Anschließend die Klinge bei etwa 180°C für 2 Stunden im Backofen anlassen.


Weiter geht es auf dem Wasserstein.
__________________
Hallo!

Geändert von Lürbker (23.10.2012 um 15:03 Uhr)
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  #6  
Alt 23.10.2012, 12:01
Lürbker Lürbker ist offline
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Die Klinge ist schon sehr scharf. Weiter geht es mit der Griffmontage. Aluminium,Birkenholz und Pflaumenholz. Zwischen das Holz kommt noch Leder.


So sollen die Einzelnen Lagen aufeinander damit die Alupassungen winklig sitzen. Und wie so oft habe ich es trotz anzeichnen geschafft es wieder zu versauen. Es ist für die Funktion nicht tragisch aber es ist halt nicht 100% gerade. Naja das kommt halt von 5-Minutenkleber. Der setzt einen schon unter Druck. daher lieber mit einem der 20-Minuten Tropfzeit hat arbbeiten!


Nachdem die Griffteile aufgeschichtet sind werden diese gepresst. Ich habe dazu die Möglichkeit eine Hobelbank einzusetzen. Ansonsten kann man auch Schraubzwingen nehmen oder man ist tapfer und presst selber die ganze Zeit durch ;-)


Mit Feilen und Säge wurde der Griff grob vorgearbeitet


Den Griff habe ich ersteinmal Quadratisch gemacht. Das ist meiner Meinung nach die beste Ausgangslage um zu seinem Wunschgriff zu kommen.
Wird das Messer unter primitiven Umständen gebaut dann würde ich den Erl umwickeln. Oder aber wärend des Schmiedens den Erl immer wieder in das spätere Griffstück einbrennen um mir so ein Loch zu bohren.


Das Messer liegt schon sehr gut in der Hand. Allerdings wird der Griff noch weiter abgeändert.


Das Messer ist schon fertig und wurde noch weiter bearbeitet. Der Teil kommt noch. Ich ziehe bald um und habe noch diverse andere Dinge nebenbei zu tun. Ich werde den Rest allerdings auch noch vorstellen. Auch noch den Bau der Scheide.
__________________
Hallo!

Geändert von Lürbker (04.11.2012 um 00:31 Uhr)
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  #7  
Alt 24.10.2012, 00:45
Benutzerbild von Bowhunter
Bowhunter Bowhunter ist offline
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Wow, meinen Respekt hast du! das Hochpolieren muss irgendwie nicht sein finde ich, ohne siehts eh schöner aus :P. Man sieht dann einfach, das ist Handarbeit. Außerdem strahlt das Messer auch irgendwie mehr aus. Aber sieht jetzt echt schon sehr schön aus!
__________________
Wer in der Wildnis lebt, sollte sich bewusst sein, wahrscheinlich nie wieder Anschluss zur Zivilisation zu finden.
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  #8  
Alt 02.11.2012, 22:27
Lürbker Lürbker ist offline
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So ich hab heute die Möglichkeiten die Bidler von der Cam zu holen. Hier noch die letzten Bilder vom Messer.


Also nach diversen Schnitten überzeugt das Messer schon.
Ein Testpfeil für den Bogen hatte ich mit einem Nagel beschwert und hatte nicht gedacht das er so weit in den Hollunderast ragte. Tja schön reingeschnitten. Aber wie man sehen kann wurde der Nagel ordentlich angeschnitten. Der Klinge hat man es zwar beim Nageltest angemerkt, aber 20 Sekunden auf den Wasserstein und alles war wieder in Ordnung. Das spricht eindeutig für die Qualität der Klinge!


Das fertige aber ungeölte Messer.





Ein mehrtägiges Bad in Leinölfirnis.





Das fertige Messer.
__________________
Hallo!
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  #9  
Alt 27.11.2012, 15:35
Alexir
Gast
 
Beiträge: n/a
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Ist echt mal eine gut Survival Anaeitung !
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  #10  
Alt 01.04.2013, 18:07
Lürbker Lürbker ist offline
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Lürbker Stammes Mitglied
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So nun zum letzten Teil . Die Scheide. Der Teil kommt sehr spät aber besser jetzt als nie.



Das Messer mit einem Lederrest den ich noch hatte. Leder kann man oft günstig beim Schuhmacher kaufen. Dabei aber bitte nach den Resten fragen! Ich habe damit gute Erfahrungen gemacht vor allem weil ich dadurch verschiedene Dicken hatte. Das Leder ist ungefärbt. Später kann man dieses noch färben. Habe mal Lederreste für 7 Scheiden bekommen. Dabei habe ich gerade mal 10€ gezahlt. Wer online kauft 2,5 bis 3,5 mm ist für diese Art von Scheide gut, 3mm ideal! Wer 5mm und dickeres Leder hat wird einenanderen Scheidentyp wählen müssen. Ich habe diesen Typ gewählt da es ja vom Typ her eher ein nordisches Messer ist. Dazu kommt die einfache Herstellung und Robustheit die auch für einen Anfänger gut zu meistern sind. Als Faden kann, wer keine richtige Sehne hat, auch Zahnseide genommen werden das funktioniert und hält sehr gut!



Der Holzkern oder auch Inlay genannt, dient als Durchstechschutz. Dazu einfach zwei Leisten herstellen und eine aushöhlen. Das geht am einfachsten mit einem Stecheisen. Ich habe dazu das Messer verwendet. Mit der hochgezogenen Spitze ging das sehr gut.Dann verklebt man die beiden Hälften und rundet sie im Ganzen ein wenig ab.



Das Leder wird nass gemacht. Ich wässer es meistens länger damit sich natürliche Farben noch auswaschen bzw gleichmäßiger verteilen. Das nasse Leder tupfe ich danach einwenig ab. Das Messer wird in den Kern gesteckt. Dann werden beide Teile mit Küchenfolie eingewickelt



Grobes Anpassen des Leders. Man schaut wie man es in etwa ziehen muss. Wer ein großes Stück hat muss hier nicht wirklich drauf achten. Hatte nur noch dieses eine Stück und musste daher das Leder gut ausnutzen. 3 cm zu beiden Seiten mehr und die Scheide wär vor allem noch höher geworden. Der Funktion schadet es aber in keinster Weise.
__________________
Hallo!

Geändert von Lürbker (01.04.2013 um 22:49 Uhr)
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