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Handwerkskünste und experimentelle Archäologie Kürbistrocknen, Fischen, Flötenbau... Hier könnt ihr über alle Handwerkskünste sprechen.

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Alt 02.03.2004, 20:17
Berger Matthias Uhrmacher
Gast
 
Beiträge: n/a
Standard Darum ist der Damast so hart

Hallo an alle


Wie kommt es nun zu den überragenden Eigenschaften von Damast?
Beim Abkühlen werden die Verunreinigungen (Vanadium, Molybdän) vom erstarrenden Metall in den noch flüssigen Bereich abgesondert. Dort kommt es also zu einer Konzentrationserhöhung dieser Verunreinigungen. Wenn sich auch diese Restschmelze verfestigt, bilden die Verunreinigungen "Perlen". Beim wiederholten Erhitzen, Bearbeiten und Abkühlen dienen diese Perlen als Kristallisationspunkte für Eisencarbidteilchen. Diese Eisencarbidteilchen sind quasi die Grundlage der Härte einer damaszener Klinge. Durch diesen Prozess werden also weiches Eisen und Eisencarbid mehr oder weniger getrennt und führen zur Härte, aber gleichzeitig auch zur Elastizität einer damaszener Klinge.

Solche Klingen sind selbst ohne gehärtet werden zu müssen schon sehr hart (wootz-steel). Es wird sogar von einem Härten abgeraten.

Der Unterschied vom Wootz-Damast zum gefalteten Damast besteht also im Falten bzw. in den im Stahl enthaltenen Verunreinigungen. Wootz wird nur in Form geschmiedet, wohingegen der Damast, wie er in der Umgangssprache gemeint ist, durch Zusammenschmieden (Schweissen) von kohlenstoffreichen und -armen Stählen, Ausweiten, Falten und wieder Zusammenschmieden entsteht. Dieser Stahl ist also eigentlich ein Verbundwerkstoff, ein Schweissverbundstahl.

Diese Verarbeitungsmethode war im alten Japan auch angebracht, da eine gleichbleibende Reinheit des verwendeten Eisens nicht gewährleistet werden konnte. Durch den beschriebenen Prozess des Faltens und Schmiedens erreicht man hier also eine Homogenisierung des Stahls (Laminat). Dieses Falten und Schmieden - auch Gerben genannt - war also ein notwendiger Raffinationsprozess.

Die Anzahl der Lagen potenziert sich mit der Anzahl der Faltungen. D.h. geht man bei einem japanischen Schwert von 2 Lagen Stahl am Anfang aus, so reichen 9 Faltungen um daraus gut 500 Schichten zu erhalten. Der Stahl für solche Schwerter wird maximal 20-fach gefaltet, was eine Schichtenzahl von über 1 Million bedeutet.

Die ausserordenltiche Haltbarkeit japanischer Schwerter wurde jedoch durch einen differenzierten Härtungsprozess erreicht. Die unterschiedlichen Klingenteile wurde dabei verschieden gehärtet. Die Schneide ist sehr hart, der Klingenkörper im Vergleich dazu eher weich.

Sowohl beim Wootz-Damast als auch beim gefalteten Damast müssen die Schichten durch Ätzung erst sichtbar gemacht werden. Zuvor sieht man es der Klinge mit dem blossen Auge nicht an, dass sie aus verschiedenen "Schichten" besteht.

Bei japanischen Schwertklingen ist die Anzahl der Schichten jedoch so hoch, dass selbst Ätzung sie wegen ihrer Dünnheit nicht mehr einzeln sichtbar machen könnte. Man könnte jedoch "Pakete" von Schichten erkennen.

:Hupfer:

Geändert von Gurkenbier (16.04.2018 um 21:01 Uhr)
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