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Handwerkskünste und experimentelle Archäologie Kürbistrocknen, Fischen, Flötenbau... Hier könnt ihr über alle Handwerkskünste sprechen.

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  #1  
Alt 16.02.2004, 10:18
Christian Christian ist offline
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Standard Schmieden

Dieser Beitrag stammt vom Berger Matthias Uhrmacher
(Er hatte ihn lediglich unter Fischnetz abgespeichert und ich kann den Beitrag nur unter meinem Namen umsetzen)

Eisen und Stahl

Ohne damit die vorzüglichen Bronzegüsse alter Zeiten herabwürdigen zu wollen, ist die Kunst des Waffenfertigens doch auf das Engste mit der Schmiedekunst und daher mit dem Eisen verbunden.

Es gibt gewöhnlich mehrere Regionen, in denen aus Eisenerz guter Stahl hergestellt wird. Die Qualität der Rohstähle fällt allerdings recht unterschiedlich aus. Das am besten zur Stahlveredlung geeignete Erz stammt aus Gruben und Hütten, die ein Metall hervorbringen, welches besonders leicht, fest und elastisch ist.

Der übliche Stahl, aus dem die Mehrzahl aller Klingen besteht, ist geringfügig schwerer als der Hochqualitätsstahl, denn es mangelt ihm ein wenig an Geschmeidigkeit, doch das kann von guten Schmieden leicht ausgeglichen werden. Der minderwertigere Stahl ist in erster Linie bedeutsam, weil er am häufigsten vertreten ist und aus ihm die meisten preiswerteren Klingen bestehen. Er ist kohlenstoffarm und sehr gut schmiedbar. Seine Biegsamkeit mag sich im Kampf jedoch nachteilig auswirken, da sich auch die fertigen Klingen leicht verbiegen.

Der kohlenstoffreiche Stahl ist dagegen spröde, läßt sich schlecht formen, ist zwar recht gut zu schärfen, neigt aber dazu, den Kämpfer bei hoher Belastung im Stich zu lassen und zu brechen. Der Stahl erreicht den Schmied meistens in Form von Barren oder Stangen, die bereits etwa die Dimensionen der gewünschten Klinge haben. Aus dem Rohmaterial stellen nun die Schmiede Klingen her.

Viele Unterschiede gibt es bei den Künsten verschiedener Schmiede, und fast jeder hütet seine Geheimnisse. Dennoch sind über die Jahre verschiedene Handwerksgeheimnisses an die Öffentlichkeit gelangt, und wenn auch die genauen Vorgehensweisen und Umstände, wie etwa die exakt notwendigen Temperaturen des Schmiedefeuers, weiterhin unbekannt bleiben, kann der Interessierte doch einiges über die Herstellung kostbarer und edler Waffen erfahren.




3.2. Die Kunst, ein Schwert zu schmieden

Die verschiedenen Feinheiten des Waffenschmiedens seien hier nun am Beispiel der Schwerter erläutert. Prinzipiell benötigt man für ein Schwert nichts weiter als eine Eisenstange, die man erhitzt und dann mit viel Kraft, und vor allem viel Ausdauer, flachhämmert und anschließend auf einem Schleifstein mit einer Schneide versieht.

Doch derlei reine Eisenschwerter sind zwar schnell und billig zu fertigen, haben jedoch alle Schwächen des Materials in sich. Reines Eisen ist biegsam und vor allem weich, nicht so weich wie etwa Gold, doch so nachgiebig, daß Spitzen fast sofort und Schneiden sehr rasch stumpf und schartig werden. Zu allem Überfluß sind derlei Klingen auch noch recht rostanfällig.

Aus den ersten Überlieferungen der Germanen ist zu entnehmen, daß jene "Barbaren" oft ihre rein eisernen Schwerter inmitten eines Gefechtes auf den Boden setzten und mit einem daraufgestellten Fuß wieder geradebiegen mußten.

Der zweite Versuch, schnell und billig große Mengen Schwerter zu produzieren, endete noch katastrophaler. Sogleich nach der Entwicklung des Eisengusses wurde versucht, diese Methode auch für Schwerter anzuwenden. Man mußte jedoch erkennen, daß die spröden Schwerter aus Gußstahl bei harten Schlägen splitterten und brachen wie Glas und dem Krieger die scharfen Splitter um die Ohren - und oft genug auch ins Gesicht - flogen.




3.2.1. Die Lehmbacktechnik

Eine weitere Methode, die zusammen mit anderen oder auch alleine eingesetzt werden kann, ist die sogenannte Lehmbacktechnik. Bei dieser Technik wird die Klinge, mit Ausnahme der Schneiden und der Spitze, mit Lehm bestrichen und im Feuer erhitzt, danach in einer Flüssigkeit (Wasser oder Öl) abgeschreckt, das sogenannte Härten des Stahls. Die fertige Klinge ist dann am Rand hart und fest, in der Mitte dagegen biegsam und federnd.

Was sich in der Kurzbeschreibung simpel anhört, ist in der Wirklichkeit allerdings eine hochkomplizierte Angelegenheit. Der Lehm muß die richtige Feuchtigkeit und Dicke haben, sonst brennt er zu rasch aus, platzt stellenweise ab und verdirbt das Schwert auf immer, oder die Mitte bleibt zu weich, und das Schwert verbiegt sich im ersten echten Gefecht.




3.2.2. Aufkohlen und Härten

Für den Waffenschmied, der mit gutem Stahl arbeiten will, gibt es einige schwer zu lösende metallurgische Probleme. Bei Verwendung von elastischem, kohlenstoffarmen Eisen werden die Waffen zwar zäh und brechen kaum, sie werden aber auch weich, stumpfen bald ab, wodurch sich Scharten in der Klinge bilden, und verbiegen sich im Kampf. Verwendet der Waffenschmied kohlenstoffreichen Stahl, so werden die Klingen zwar hart und bleiben länger scharf, aber sie brechen infolge des spröden Materials auch leicht.

In einer guten Stahllegierung ist für die Härte vor allem der Kohlenstoff verantwortlich. Je mehr Kohlenstoff im Stahl enthalten ist, desto härter ist er, bis er schließlich sogar beim Schmieden bricht und nur noch gegossen werden kann, der sogenannte Gußstahl. Fehlt oder entweicht der Kohlenstoff beim Schmieden durch langes Glühen, so wird der Stahl weich und nachgiebig.

Der Schmied löst dieses Problem, indem er die Klinge immer wieder in der glühenden Holzkohle (man verwendet dazu spezielle fettarme Schmiedekohle, keine gewöhnliche Holzkohle) aufkohlt, was vor allem an der Oberfläche der Fall ist, ein gewünschter Effekt. Zudem kann die Schwertklinge durch plötzliches Abkühlen in Öl, Wasser oder einem anderen geeigneten Medium, gehärtet werden. Doch mit dieser Methode läßt sich der Kompromiß zwischen Härte und Zähigkeit nur bedingt erreichen.




3.2.3. Damast

Eine gute Schwertklinge sollte zwei Eigenschaften haben. Sie muß einerseits zäh bzw. elastisch sein und darf nicht brechen, muß andererseits aber auch hart sein, um möglichst viel Schaden zu verursachen und selbst nicht beschädigt oder verbogen zu werden.

Es gilt also, die Biegsamkeit des Eisens mit der Härte des Stahls zu verbinden. So kam man dazu, Stahl und Eisen in mehreren Schichten zu verschweißen, und so entstanden Klingen, die der Beanspruchung standhielten, ohne sich zu verbiegen oder zu zerbrechen.

Wenn man beide Stränge gut miteinander verbindet, kann eine beinahe homogene Klinge erreicht werden, die beide gewünschten Eigenschaften, nämlich Härte und Zähigkeit, in sich vereinigt.

Gute mittelalterliche Schwerter (und andere Waffen) sind daher durch eine Verbindung verschiedener Stahlsorten herzustellen. Eine Möglichkeit, dies zu erreichen, besteht in einer Technik, die man Damaszierung nennt. Sie stammt aus dem Nahen Osten, wie der Name schon sagt, aus der Stadt Damaskus, der Hauptstadt Syriens.




3.2.3.1. Schichtdamast

Beim echten Damaszenerstahl (und auch bei den japanischen Schwertstählen) werden Eisen- und Stahlstäbe, deren Kohlenstoffgehalt, und damit auch deren Härte, unterschiedlich ist, in mehreren Schichten aufeinandergeschweißt und dann durch Hämmern bearbeitet.

Wenn beide Materialien sich gut miteinander verbunden haben, wird die ganze Rohklinge gefaltet und wiederum bearbeitet. Dies geschieht im Extremfall viele hundert Mal, so daß die Klinge schließlich sehr homogen im Gefüge wird, so daß sich die Stahlsorten ergänzen, ohne sich zu vermengen, wie es im Schmelzofen der Fall wäre.

Anschließend wird das Werkstück zur gewünschten Klingenform gestreckt, in Form geschmiedet und solange geschliffen und poliert, bis er das Aussehen der endgültigen Klinge angenommen hat. So entstehen Klingen, die der Beanspruchung standhalten.

An der Oberfläche der neuen Klinge treten dabei die Schichten der unterschiedlich harten Metalle mit verschiedenem Kohlenstoffgehalt hervor, die nach dem Polieren durch die Lichtbrechung als Maserung sichtbar sind. Eine Damaszenerklinge kann man mit bloßem Auge, oder nachdem man die Klinge angeätzt hat, an der fein geschichteten Struktur der Oberfläche aus hellen und dunklen Streifen erkennen, die sich durch das Falten ergeben hat. Diese Technik wird als Schicht- oder Volldamast bezeichnet.



Die Güte einer Damastklinge ist in der Regel an der Anzahl und Regelmäßigkeit der Stahl-Eisenschichten zu erkennen. Am kostbarsten war der Vierzigstufendamast, aber besonders edle japanische Schwerter wurden sogar bis zu zwanzigmal gefaltet, was etwa eine Millionen Lagen erzeugt und einen astronomischen Preis, aber auch eine ausgezeichnete Waffe zufolge hat.

Legenden berichten immer wieder von besonderen Schwertern, die zweihundertmal gefaltet sein sollen oder sogar noch öfter. Man muß jedoch berücksichtigen, daß bei jedem erneuten Erhitzen des Damastpakets etwa 10 % des Materials durch Verzunderung (abblätterndes Eisenoxyd, sogenannter Hammerschlag, der beim Schmieden als Funken davon fliegt und sich als schwarze Plättchen auf dem Boden sammelt) verloren geht. Insofern muß eine Anzahl von Faltungen, die weit über die 20 hinausgeht, bezweifelt werden, weil sonst irgendwann nichts mehr von dem Werkstück übrig wäre.

Ein Schwert aus echtem (Schicht-) Damaszenerstahl kostet mindestens das zehnfache eines normalen Schwerts.




3.2.3.2. Schweißdamast

Eine andere Form der Damaszierung, der im Abendland im 6. bis 8. Jahrhundert für Schwertklingen verarbeitete Schweißdamast mit Oberflächenzeichnung, besteht darin, Eisenstäbe oder mehrere Drähte verschiedener Härte schraubenförmig zusammenzudrehen, zu hämmern, zu schweißen und in Klingenform zu schmieden.

Hierbei ist jedoch das Gefüge, also die strukturelle Zusammensetzung des Stahls, nicht ganz homogen, und es gibt Stellen, wo nur einer der beiden Stränge als Material vorliegt, also Schwachstellen, die besonders an der Klingenoberfläche Probleme bereiten können, da das Schwert hier Scharten bekommen kann oder gar bricht, weshalb zumindest die Oberfläche nachbehandelt werden muß.

Die hierbei entstehende Maserung aus Metallschichten verschiedener Zusammensetzung und Lichtbrechung an der Oberfläche der Klinge unterscheidet sich durch die beim Verdrehen entstandenen Querverläufe sichtbar von der aus parallel gefalteten, feineren Schichten entstandenen Klinge aus Schichtdamast.



Weil bei dieser Technik auch eine Schneidkante aus ungleich harten Elementen entsteht, wird auf beiden Rändern ein Streifen aus gutem Stahl aufgeschweißt, um eine gleichmäßig harte Schneidkante zu bekommen. Daher der Name Schweißdamast, allerdings kennt man diese Verarbeitung wegen des Verdrillens der Stahlsorten auch unter der Bezeichnung Torsionsdamast.

Dieser Damast, obwohl zweifellos eine Methode um gute Waffen herzustellen, erreicht nicht die Qualität des Schichtdamastes. Im 12. Jahrhundert wurde dieses Verfahren deshalb eingestellt, und man wandte sich wieder dem Schichtdamast zu. In Damaskus blühten beide Gewerbe, und es wurden dort sowohl Schweiß- als auch Schichtdamast gefertigt.

Bei einer anderen Schweißdamasttechnik werden um einen "weichen" Eisenkern Drähte gewickelt und aus zwei Stahlschienen, die rechts und links des Kernes angeschweißt werden, die Schneiden gebildet, was übrigens auch für die Volldamasttechnik zutrifft.

Diese Technik wurde bei den Wikingern wyrmfah (wurmbunt) genannt. Im Gegensatz zum Volldamast, gewährleistete diese Herstellungsweise größere Elastizität der Klinge bei gleichzeitig großer Härte und Widerstandsfähigkeit der Schneiden.

Immer wieder wurde die große Schönheit solcher Klingen gerühmt. Der Gotenkönig Theoderich sagte in einem Brief an Thrasamund, den König der Vandalen: "Ihre hellpolierte Fläche glänzt in dem Maße, daß sie das Antlitz des Beschauers klar widerspiegelt, und ihre Schneiden gehen so gleichmäßig scharf zu, daß man meinen könnte, sie seien dem Gußofen entstammt, und nicht aus einzelnen Stäben zusammengesetzt. In ihrer mit schönen Rinnen versehenen Mitte glaubt man kleine Würmer sich kräuseln zu sehen, und so mannigfaltig ist die Schattierung, daß es scheint, als ob das leuchtende Metall von verschiedenen Farben durchwoben sei. Euer Schleifstein hat dasselbe so sorgfältig gereinigt, daß er das glänzende Eisen gewissermaßen zu einem Spiegel für Männer gemacht hat."




3.2.3.3. Echter orientalischer Damast

Die Inder kannten diese Technik des Schweiß- oder Schichtdamast schon einige Jahrhunderte v.u.Z. Die gelehrigen Araber haben sie dann weiter verbreitet. Stahl erhielten sie aus Eisenstäben, die zusammen mit Graphit geschmolzen wurden.

Der Name Damast kam erst später auf, als man im 18. Jahrhundert unterschiedslos alle aus dem Orient kommenden Klingen, die irgendeine Maserung aufwiesen, als Damaszenerklingen bezeichnete.

Der echte orientalische Damast war jedoch von besonderer Art. Er wurde aus einem einzigen Massel von Stahl mit besonderen chemischen Eigenschaften und spezieller chemischer Zusammensetzung geschmiedet und die fertige Klinge nicht gehärtet, da sie sonst spröde geworden wäre.

Der Effekt der Damastmusterung beruhte daher hier auf der besonderen molekularen Zusammensetzung des verwendeten Stahls und nicht auf der Mischung von Dichten verschiedener Härte, obgleich die Wirkung in Farbe und Muster oft recht ähnlich war wie beim Schweißdamast mit Oberflächenzeichnung.




3.2.3.4. Fazit zum Damast

Bei aller handwerklichen Schönheit der damaszierten Klingen, darf man nicht vergessen, daß diese Technik aus der Not geboren wurde. Auch die wegen ihrer aufwendigen Herstellungsweise gepriesenen japanischen Klingen entstammen letztlich dem Unvermögen, hochwertigen homogenen Stahl herstellen zu können. Heute wäre die industrielle Fertigung noch besserer Schwerter weit weniger aufwendig.

Seit dem 9. Jahrhundert entwickelte sich ein regelrechter Markt für gute Schwerter. Nicht mehr nur der regionale Handwerker, sondern regelrechte Markenhersteller beherrschten den Markt. Auf ihren Klingen kann man die Namen Ulfbehrt, Ingelred oder Ingelri, Ugthred und Banto lesen. Ursprünglich waren dies Meisternamen, die nach und nach zu Markennamen wurden. Auch Gefäßmacher verewigten sich manchmal auf Schwertern. Von ihnen kennen wir Hiltipreht, Hliter, Hartolfr und Leofric.




3.2.3.5. Gefälschter Damast

Gute Schwerter aus Damast sind rar und werden kaum oder zu astronomischen Summen zum Verkauf angeboten. Da sich die meisten Leute mit der Schmiedekunst auch nicht so gut auskennen, sollte darauf hingewiesen werden, daß es durchaus möglich ist, das dekorative Gütezeichen der Damastmusterung zu fälschen, denn es ist zwar unverkennbar, aber leider nicht unnachahmlich.

Gewöhnliche, nicht gefaltete Klingen werden mit Schwefelsäure oder Eisenvitriol leicht angeätzt und langsam erkalten lassen, so daß sie einer echten Damaszenerklinge äußerlich sehr ähnlich sind. Geschickt gemacht, ergibt das ein Muster, das nur vom Fachmann von einer echten Damaszierung zu unterscheiden ist.

In Wirklichkeit aber haben die ohnehin schon schlechteren Waffen durch die Säurebäder naturgemäß noch weiter gelitten und sind keinen Pfifferling mehr wert. Angeboten (und gekauft) werden sie allerdings zu Preisen, die oft über dem liegen, was ein gewissenhafter Schmied für echten Damast verlangen würde.

Zum großen Leidwesen aller Sammler sind derlei Fälscher oftmals so talentiert, daß nur ein meisterlicher Waffenschmied und Metallurg die wahre Natur einer Waffe erkennen kann. Skrupellose Händler und Schmiede, die nur auf den raschen Gewinn aus sind, nutzten das bereits im Mittelalter weidlich aus (und auch heute noch soll es solche Betrüger auf Märkten geben). Welch ein hübscher Moment, wenn sich die sündhaft teure Schwertklinge ( "...50mal gefaltet...") gleich beim ersten Treffer zu einem Krummsäbel verbiegt...

Die sicherste Methode, die Qualität eines Schwertes zu prüfen, ist es immer noch, die Waffe mit der Breitseite kräftig gegen die nächste Mauer zu schlagen. Ein vertrauenswürdiger Schmied wird stolz sehen, wie die Steinbröckchen davonfliegen, während ein Fälscher Schadenersatz für das zerbrochene Schwert fordern wird. Dann kann man es ihm immer noch zu Schlucken geben.




3.3. Verzierungen an Waffen und Rüstungen

Schon immer war der Mensch bestrebt, seinen Gebrauchsgegenständen und Geräten ein gefälliges Äußeres zu geben, sei es auch nur durch ein paar Eindrücke des Daumennagels in ein frisch geformtes Tongefäß. Seit der Mitte des 15. Jahrhunderts wurden Harnische, Helme und Klingen immer häufiger und reicher in verschiedenen Techniken dekoriert, und der Waffenschmied wurde zum Künstler oder nahm die Mitarbeit von Künstlern in Anspruch.

Es existieren zahlreiche Möglichkeiten, eine Waffe zu verzieren. Die Klinge oder das Blatt können durch Ätzungen, Gravuren oder Tauschierungen verschönert werden, der Schaft kann durch Schnitzereien ein hübscheres oder vielleicht auch ein furchterregenderes Aussehen erhalten, Parierstangen werden in Form von Drachenflügeln oder Schlangen gearbeitet und der Knauf wird mit Juwelen verziert. Den Möglichkeiten sind keine Grenzen gesetzt - und den Preisen ebenfalls nicht.

Nur eines steht fest: diese Arbeiten sind teuer und können meist nicht mehr nachträglich an einer Waffe vollbracht werden. Als Richtlinie für den Preis einer Verzierung kann der Materialwert und der Aufwand des Schmiedes dienen, der nicht nur künstlerisches Geschick in diese filigrane Kleinarbeit legen muß, sondern dabei auch darauf achten muß, daß die Waffe trotzdem noch im Kampf zu führen ist. Was nützt einem das schönste Schwert, wenn es keinerlei Balance besitzt und beim ersten Schlag auseinanderbricht?

Die Vorzeichnung wurde mit dem Grabstichel eingestochen oder geätzt. Bei der Ätzmalerei wurde die Metallfläche mit einer Mischung aus Asphalt, Wachs usw., dem Ätzgrund, bedeckt, die Zeichnung mit der Nadel herausgekratzt und dann Ätzwasser aufgetragen (Essig- oder Schwefelsäure), das nur auf die vom Ätzgrund freigelegten Stellen des Metalles einwirken konnte. Anschließend wurde der Ätzgrund mit Spiritus oder Terpentin abgewaschen, worauf die leicht vertiefte Zeichnung auf der blanken Oberfläche zum Vorschein kam.

Bei der Blaumalerei machte man sich die Anlauffarben für besonders dekorative Effekte zunutze. Die Ätzung ergab dann helle Ornamente auf blauem oder blaue Ornamente auf hellem Grund.

Ein anderes Verfahren war die Tauschierung oder Tausia, den Goldschmieden schon seit dem 4. Jahrhundert bekannt, für Trutzwaffen aber erst im 16. Jahrhundert und dann bald auch für Harnische viel verwendet. Auch hierbei wurden die Zeichnungen mit dem Stichel graviert, die Ränder etwas unterschnitten und Gold- oder Silberdrähte eingehämmert (eingeschlagene Tausia). Das Ganze wurde anschließend glattgeschliffen und poliert.

Bei einer anderen Methode wurden etwas größere Flächen des Metallgrundes zu Verzierungen aufgerauht, mit Blattgold oder Silber belegt und eingehämmert. Durch mehrmaliges Erhitzen und Polieren erreichte man eine gewisse Dauerhaftigkeit dieser Vergoldung.

Meist wurde diese Methode der aufgeschlagenen Tausia in Verbindung mit Anlauffarben (schwarz oder blau) angewandt. In späterer Zeit kamen auch mit Zellenemail geschmückte Schwertknäufe und Schildbuckel auf. Alle diese Verschönerungen gingen Hand in Hand mit dem späteren Bedürfnis nach Repräsentation.

Beim Harnisch und beim Helm verstanden es allein die europäischen Waffenschmiede, selbst größere Teile der Rüstung möglichst aus einem einzigen Stück in Treibarbeit anzufertigen, ob das nun Harnischbrust, Arm- oder Beinschiene oder Helmglocke waren. Solche Stücke wiesen weit weniger schwache Stellen auf als solche aus Schuppen, Spangen usw. zusammengesetzte, und die großen Flächen eigneten sich hervorragend für allerlei Verzierung.

Oft war es üblich, religiöse Namen oder Symbole in die Verzierungen einzuarbeiten, so z.B. den von Gott, Jesus, Maria oder eines Heiligen. Eine Waffe mit dem Namen Gottes oder von Heiligen zu versehen, klingt wie eine Lästerung, aber schon im Mittelalter war es üblich, in den Knauf des Schwertes Reliquien (echte oder vorgebliche) von Heiligen einzuschließen, um sich sozusagen unter den Schutz himmlischer Mächte zu stellen und der Waffe eine gewisse Weihe zu verleihen.

Glaube und Aberglaube liegen nahe beieinander, und es ist daher nicht verwunderlich, daß auf Waffen auch ganz andere Inschriften zu finden sind: erotische Szenen, Symbole des Sexus, obszöne Sprüche. Man darf nicht vergessen, daß Waffen für rauhe Krieger bestimmt waren, in deren Köpfen religiöse und erotische Symbole die gleiche Bedeutung hatten: Zauber gegen den Bösen Blick, Abwehr von Unglück oder Glücksbringer für verschiedene Zwecke.
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Alt 17.02.2004, 16:39
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Hallo Mathias!
Da hört mann ein zeitlang gar nichts von dir und dann soo ein Artikel :SCHOCK: :SCHOCK: :SCHOCK: . Super von dir. Wenn ich mal ein bischen Zeit :Grins: habe werde ich mal den Echter Oberländer Damast herstellen. Alles Gute Thomas
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  #3  
Alt 09.03.2004, 22:27
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Hallo Mathias!
Der Damast muss noch ein wenig warten :Weiner: :Weiner: :Weiner: , aber ein bischen schmieden macht ja auch Spass :Hupfer: :Hupfer: . Hier mal ein paar Fotos. Alles Gute Thomas
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Alt 14.11.2005, 17:30
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Hallo!

Mein erster Oberländer Damast, mit Hilfe von Franz, Mathias, Mathias und Georg DANKE Thomas
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